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Erinnerungen an das Asta Nielsen Kino Düsseldorf (1911-1986)

Was dem New Yorker die 42nd Street, ist dem Düsseldorfer die Graf-Adolf-Straße. Bahnhofsnah und entsprechend frequentiert, hat sich hier traditionell die Unterhaltungsbranche mit all ihren Höhen und Tiefen niedergelassen. In den 80ern, vor dem Bau der Multiplex-Kinos, war diese Straße noch von den klassischen Lichtspielhäusern gesäumt. Eines dieser Kinos war das Asta Nielsen, das zu diesem Zeitpunkt seine besten Zeiten bereits hinter sich hatte. Mit wilden Filmen im Programm und greller Neonbeleuchtung buhlte das Asta um die Gunst des Publikums. Ein echtes Grindhouse, in dem der Exterminator wütete und Lolita am Scheideweg stand.
Gerne und oft hat der pubertierende Junge, der ich seinerzeit war, auf der Graf-Adolf-Straße und in den dortigen Kinos herumgelungert. Auch weil in den Foyers diese tollen Telespielautomaten standen. Auf dieser Straße war ich mit meinem Vater zum ersten Mal im Kino (Räuber Hotzenplotz im Savoy), hab' dort meinen ersten Döner gegessen, was damals noch alles andere als üblich war, und ein paar Jahre später in der Bhaggy-Disco, die vorher auch mal ein Kino (Kamera) gewesen war, den ersten Joint geraucht.
Das Asta war damals nicht unbedingt mein Lieblingskino, hat sich aber fest in meine Erinnerung eingebrannt. Auf dem Weg zur Schule, dem altehrwürdigen Görres-Gymnasium, hielt mein Bus direkt davor und gab den Blick auf die grüne Leuchtreklame und die Titel der Filme frei. Das hat mich immer wieder schwer beeindruckt und nachhaltig für ein seriöses Leben verdorben. Der frustrierende Schulalltag, der danach folgte, konnte jedenfalls nicht mit den Verheißungen, die die Superhexen in ihrem tiefen Tal versprachen, mithalten.

Nach Schulschluss habe ich mir die Nase an den Schaukästen mit den Plakaten und Szenenbilder der „schlimmen“ Filme plattgedrückt. Ab und an lief auch ein Film mit Jugendfreigabe und wenn man Glück hatte, gab's in der aktuellen BRAVO einen Gutschein dazu. Niemals werde ich den Besuch jener Vorstellung vergessen, als der Vorführer aus Versehen die „erwachsenen“ Trailer vor dem „jugendfreien“ Film gezeigt hat. Bei "Tourist Trap" habe ich mir vor Angst fast in die Hose gemacht. Das Asta hat maßgeblich zu meiner Kinosozialisation beigetragen und damit einen festen Platz in meinem Herzen und weiter unten.
Wenn es das Asta noch geben würde, wäre es in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Dies ist ihm in realer Existenz, wie vielen anderen Kinos seiner Art, leider nicht vergönnt. Gerade das Unterhaltungsgeschäft war und ist immer stark mit der Zeit verknüpft, in der es stattfindet. Was nicht mehr läuft, verschwindet einfach. Doch so lange die Erinnerungen lebendig bleiben, lebt auch das Asta weiter.

Eric Horst im November 2011